Aufladen statt tanken – Bäckerei Wippler testet E-Fahrzeug

Andreas Wippler möchte mit seiner Bäckerei einen Schritt Richtung Klimaschutz gehen und ist einer der ersten Teilnehmer des einwöchigen E-Auto-Praxistests im Rahmen des Projektes „Klimaprofi für den Mittelstand“. Mit dem MITTELSTANDSVERBUND sprach er über Beweggründe, Chancen und Erwartungen zum Thema Elektromobilität.

Köln, 29.11.2017 – Es ist kurz nach eins in der Nacht: Das Licht in der Backstube Wippler geht an, die Feinbäcker starten in den Tag. Doch Andreas Wippler produziert und verkauft nicht nur frische Brötchen und süße Teilchen, sondern möchte auch seinen Teil zum Klimaschutz beitragen. Wichtig ist ihm, als Betrieb den ersten Schritt für einen lebenswerten Planeten zu gehen und das auch öffentlich zu kommunizieren. Der Bäckermeister aus Dresden ist einer der ersten Teilnehmer der einwöchigen E-Auto-Testfahrt im Rahmen des Projektes „Klimaprofi für den Mittelstand“. In Zusammenarbeit mit der BÄKO Ost eG geht DER MITTELSTANDSVERBUND dieses Projekt an. Bäckereien können beispielsweise mit dem E-Fahrzeug ihre Backwaren zu den Verkaufsstellen fahren oder, wie die Bäckerei Wippler, in der Vorweihnachtszeit die Zutaten für die Christstollen zur Backstube transportieren.

Aufladen statt tanken – Bäckerei Wippler testet E-Fahrzeug

Das Thema Klimaschutz und speziell Elektromobilität passe gut zum Image und zum Konzept seiner Bäckerei – hätte jedoch auch einen positiven Effekt auf die Attraktivität als Arbeitgeber, so Andreas Wippler. „Wir sind bestrebt, Emissionen einzusparen und in der Außenwirkung als fortschrittlich zu gelten – und den Trend, der eindeutig in diese Richtung geht, frühzeitig mit aufzunehmen“. Zudem sei die Bäckerei regional unterwegs und befinde sich in einem Stadtgebiet, in dem das Thema Umweltschutz und die Nähe zur Natur eine besondere Bedeutung habe. „Regionalität und ein verantwortungsvoller Umgang mit unseren Ressourcen haben für uns einen wichtigen Stellenwert. Daher beziehen wir unsere Mehle aus der Dresdner Mühle oder unsere Früchte vom Elbhang.“, erklärt Wippler. 

Vorurteile abbauen – testen und mitreden

Der Bäckermeister Wippler erwartet von der Alltagstauglichkeit des elektrischen Gefährts, dass es die Aufgaben so meistert, wie er es gewohnt ist – denn hier könne er keine Einschränkungen machen, insbesondere beim Thema Timing nicht. Und: Zwischen Backstube und Verkaufsstellen sei ein Berg mit einer ziemlich hohen Steigung – „Hier sind wir gespannt, wie das funktioniert.“, so Wippler.

100 Kilometer müsse das Auto insgesamt am Tag zurücklegen können, länger sind die Touren zwischen Backstube und den Verkaufsstellen nicht. Zwischen 4.30 Uhr am Morgen und 12 Uhr mittags werde das E-Auto für den Transport der Teigrohlinge eingesetzt. Die Bäckerei habe bereits eine Garage, in der das E-Auto optimal geladen werden könne – eine Kraftsteckdose sei eh schon vorhanden.

Sogar der Gedanke an ein eigenes E-Auto für den privaten Gebrauch kam Andreas Wippler bereits – doch er sei eigentlich ein Freund des Motorsports. Der Geruch und der Klang wären jetzt beim E-Mobil natürlich etwas anders, aber beim Thema Fahrspaß sehe er in Zukunft keine Einschränkungen.

Elektromobilität sei derzeit in aller Munde. Nur leider hätten die wenigsten Unternehmen eine konkrete Vorstellung davon, wie diese in der betrieblichen Praxis tatsächlich funktioniere, so Dr. Daniel Linke, Geschäftsführender Vorstand der BÄKO Ost eG.

Andreas Wippler bestätigt das Bild: „Viele haben vielleicht auch Angst, dass sie irgendwo hinfahren wollen und es geht nicht. Daher ist es wichtig, mit solchen Testfahrt-Aktionen Vorurteile abzubauen. Denn dann kann man auch mitreden.“ Und: In der Außenwirkung sei so ein Bäckertransporter schon sehr präsent – Wippler möchte mit der Test-Aktion den ein oder anderen anstecken und vermitteln „Probiert es aus“.

Insgesamt beliefert die Bäckerei Wippler von ihrer Backstube aus vier weitere Verkaufsstellen, die alle sehr nah beieinander liegen. Die Lieferstrecke betrage insgesamt etwa 12 Kilometer – „Distanzen, die absolut machbar sind. Daher stellte sich für uns hier die Frage nach einem Elektroauto.“, so Wippler.

Elektromobilität als Aushängeschild

Auf die Frage, ob er schon einmal daran gedacht habe, vor der Wippler´schen Backstube eine Ladesäule für Autos oder E-Fahrräder zu installieren, antwortet der Bäckermeister entschieden: „Auf jeden Fall. Das wäre auch ein Punkt in Sachen Attraktivität für unsere Kunden und Mitarbeiter. Ich denke auch, dass sich das durchsetzen wird.“ Während der Arbeitszeit könnten seine Mitarbeiter ihre Autos auf Kosten der Bäckerei aufladen. Sein Gedanke dahinter:  Als Arbeitgeber attraktiver sein und Anreize schaffen. 

Anreize, die sich Andreas Wippler auch von der zukünftigen Bundesregierung wünscht: „Deutschland muss sich im Bereich E-Mobilität schneller bewegen, als es aktuell der Fall ist. Bisher ist die Anschaffung eines E-Fahrzeugs noch zu unattraktiv – vor allem bezüglich der Reichweite.“ Allerdings ginge seiner Meinung nach die Entwicklung viel schneller voran, würden mehr Leute E-Autos fahren. Norwegen zum Beispiel sei da schon ganz anders unterwegs, mahnt Wippler.

Einen ersten wichtigen Impuls für eine klimafreundliche Zukunft haben die Wipplers jedenfalls schon gesetzt.

Klimaprofis unter Strom – Aufladen statt tanken 

Hintergrund des E-Auto-Praxistests: Seit November 2017 können Bäcker, Apotheken, Friseure, Fleischer und Autowerkstätten zusätzlich zur Klimaschutzberatung im Rahmen des Projektes „Klimaprofi für den Mittelstand“ kostenlos E-Fahrzeuge für eine Woche im Arbeitsalltag testen. Aufladen statt tanken lautet die Devise, denn: Elektrofahrzeuge sind ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende.

Von den Testergebnissen erhofft sich DER MITTELSTANDSVERBUND wesentliche Erkenntnisse zur Praxistauglichkeit von Elektrofahrzeugen und insbesondere auch Offenheit gegenüber dem Thema E-Mobilität. Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Dr. Ludwig Veltmann, ruft daher die Mitglieder in den betroffenen Branchen zur Beteiligung an dem Pilotprojekt auf. „Klimaschonende Maßnahmen sichern nicht nur die eigene Zukunft Ihres Unternehmens. Sie helfen auch ein Stück weit, unsere Städte lebenswert zu halten und dort die Umwelt zu schützen“.

DER MITTELSTANDSVERBUND hat Anfang des Jahres 2016 das Förderprojekt „Klimaprofi für den Mittelstand“ ins Leben gerufen, um Unternehmen klimafit zu machen. Das vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative geförderte Projekt richtet sich an Branchen, die beim Energiesparen bisher kaum in Erscheinung getreten sind – Bäcker, Fleischer, Friseure, Apotheken und Kfz-Betriebe. Bis zum Jahr 2019 sollen so insgesamt mindestens 8.200 Tonnen CO2 pro Jahr durch entsprechende ressourcenschonende Maßnahmen eingespart werden.

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