Neun Monate E-Auto-Praxistest: BÄKO Ost eG zieht Bilanz

Nachdem DER MITTELSTANDSVERBUND im November 2017 den Startschuss für seinen Elektroauto-Praxistest im Rahmen des Projektes „Klimaprofi für den Mittelstand“ gegeben hat, wird es Zeit für ein Zwischenfazit. Die Klimaprofis haben einen der ersten Teilnehmer, die BÄKO Ost eG, neun Monate nach Beginn des Selbstversuchs besucht – und Bilanz gezogen.

Berlin, 31.08.2018 – „Bäcker- und Konditorengenossenschaft mit Mehrwert“: So wirbt die BÄKO Ost eG, Mitglied des MITTELSTANDSVERBUNDES, für ihr Unternehmen. Dass sich die Kooperation nicht nur als spezialisierter Einkaufsdienstleister und Großhändler für Bäcker, Konditoren und Pfefferküchler versteht, sondern auch als ein Wegbegleiter und Partner auf Augenhöhe, beweist das Engagement im Rahmen des Projektes „Klimaprofi für den Mittelstand“.

DER MITTELSTANDSVERBUND hat Anfang des Jahres 2016 das Förderprojekt „Klimaprofi für den Mittelstand“ ins Leben gerufen, um Unternehmen klimafit zu machen. Das vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative geförderte Projekt richtet sich an die Branchen Bäcker, Fleischer, Friseure, Apotheken und Kfz-Betriebe. Bis zum Jahr 2019 sollen so insgesamt mindestens 8.200 Tonnen CO2 durch entsprechende ressourcenschonende Maßnahmen eingespart werden.

Dr. Daniel Linke, Geschäftsführender Vorstand der BÄKO Ost eG mit Ernst Panse, Leiter Klima & Energie, DER MITTELSTANDSVERBUND.Die BÄKO Ost eG ist seit der Geburtsstunde des Projektes mit an Bord und war daher auch eine der ersten Verbundgruppen, die ihre Mitglieder für Klimaschutzberatungen gewinnen konnte. Nun hat die Kooperation auch im Rahmen des E-Auto-Praxistest bewiesen: Wir sind Vorreiter. Gemeinsam mit Dr. Daniel Linke, Geschäftsführender Vorstand der BÄKO Ost eG, ziehen die Klimaprofis neun Monate später Bilanz.

Klimaprofis unter Strom – Aufladen statt tanken

Hintergrund des E-Auto-Praxistests: Seit November 2017 können Bäcker, Apotheker, Friseure, Fleischer und Autowerkstätten im Rahmen des Projektes „Klimaprofi für den Mittelstand“ zusätzlich zur Klimaschutzberatung kostenlos ein E-Fahrzeug für jeweils eine Woche im Arbeitsalltag testen. Aufladen statt tanken lautet die Devise, denn: Elektrofahrzeuge sind ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende.

Von den Testergebnissen erhofft sich DER MITTELSTANDSVERBUND wichtige Erkenntnisse zur Praxistauglichkeit von Elektrofahrzeugen und insbesondere auch Offenheit gegenüber dem Thema E-Mobilität.

Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Dr. Ludwig Veltmann, ruft zur Beteiligung an dem Pilotvorhaben auf. „Klimaschonende Maßnahmen sichern nicht nur die eigene Zukunft Ihres Unternehmens. Sie helfen auch ein Stück weit, unsere Städte lebenswert zu halten und dort die Umwelt zu schützen. Nutzen Sie jetzt die Chance und haben Sie in Sachen E-Mobilität die Nase vorn!“.

Und auch Ernst Panse, Leiter Klima und Energie, DER MITTELSTANDSVERBUND, weiß: „Mittelständische Unternehmer sind Vorreiter beim Klimaschutz. Wir wollen, dass das so bleibt. Daher bieten wir Unternehmen aus fünf Pilotbranchen die Möglichkeit, selbst einmal ein Elektroauto für den geschäftlichen Betrieb zu nutzen. Unser Ziel: Vorurteile abbauen und die Neugier für Elektromobilität wecken.“

Diese sei derzeit in aller Munde. Nur leider hätten die wenigsten Unternehmen eine konkrete Vorstellung davon, wie die neue Technik in der betrieblichen Praxis tatsächlich funktioniere, so Dr. Daniel Linke. „Mit dem E-Auto-Praxistest des MITTELSTANDSVERBUNDES konnten wir in den vergangenen neun Monaten viele Mitglieder dafür begeistern, das Thema anzugehen.“, berichtet der geschäftsführende Vorstand stolz.

„Wir fangen damit jetzt an“

Bereits im Jahr 2013 hob die BÄKO Ost eG das Thema E-Mobilität auf die Agenda. „Damals haben wir auf der Hausmesse ein E-Fahrzeug verlost. Der Gewinner durfte dieses ein halbes Jahr kostenlos Probe fahren. Allerdings kam das Fahrzeug nach sechs Wochen zurück mit den Worten „Damit fahren wir nicht weiter“, so Linke. Einstiges Problem: Die Batteriekapazitäten reichten noch nicht aus, um das Auto sinnvoll im Arbeitsalltag einzusetzen.

Doch fünf Jahre später macht der Stromer von einer Generation zur nächsten immer bessere Fortschritte – und nun zeigt sich deutlich: Die Betriebe haben Interesse. „Eine unserer Motivationen, am E-Auto-Praxistest teilzunehmen, war es, die technologischen Trends nicht zu verschlafen. Eine Genossenschaft ist immer so gut, wie der Durschnitt ihrer Mitglieder. Wenn diese hinter den Trends zurückbleiben, haben sie keine Chance, am Markt zu überleben.“, weiß Linke. Hier positioniert sich die BÄKO Ost eG als Vordenker und fokussiert sich darauf, Trends aufzuspüren, zu setzen und auch mal auszuprobieren. „Natürlich funktioniert nicht alles.“, so Linke. Insbesondere das Feedback auf den Hausmessen hätte jedoch schnell gezeigt: „Wir fangen damit jetzt mal an!“

Die Klimaprofis im Interview mit Dr. Daniel Linke.Also gesagt getan und E-Mob 2.0? Nicht ganz, denn: „Der Bäcker hat zwei Probleme: Er traut sich an die Thematik nicht ran und kennt nicht die richtigen Förderprogramme. Kann ich so etwas beantragen? Wie mache ich das? Wie funktioniert das?“, bekommt Dr. Daniel Linke regelmäßig zu hören. „Die Initiative des MITTELSTANDSVERBUNDES, sich dem Thema anzunehmen, war hier wegweisend“, so der geschäftsführende Vorstand der BÄKO Ost eG.

Gemeinsam mit dem Spitzenverband machte die Verbundgruppe aus der Not eine Tugend: So betreute die Kooperation eine Studentin bei der Erstellung ihrer Bachelor-Arbeit zum Thema „Fördermittel für das Handwerk“ und sah in der Fragestellung so viel Potenzial, dass ab Oktober eine eigene Personalstelle für den Bereich „Fördermittel- und Investitionsberatung“ geschaffen werde, freut sich Linke.

Der Schuh drückt bei der Reichweite

Und was sagen die Bäcker? „Spitzen Test. Flott, leise, komfortabel“, bekam Linke durchweg von seinen Mitgliedern zu hören. Das Interesse an dem Praxistest sei so groß gewesen, dass es sogar Wartelisten gegeben hätte.

Aber? Nicht etwa die Themen Kühlung oder Ladedauer wurden kritisch hinterfragt, sondern vielmehr die Reichweite. Diese liege bei einigen Bäckern pro Tag bei etwa 80 - 90 Kilometern. Und da war sie wieder – die Reichweitenangst. Heute reicht, abhängig von Modell und Jahreszeit, mancher Akku keine 100 Kilometer. Sobald die Ladung sich dem Ende neigte und das rote Warnlämpchen aufblinkte, gingen Radio und Heizung aus. „Im Winter kann es also auch mal kälter werden.“, so Linke.

„Die Preise müssen sich mindestens halbieren“

Potenzial sieht Linke auch in der Weiterentwicklung von E-Lkws. Hier würden bereits Reichweiten von etwa 300 Kilometern erzielt – allerdings sei der Preis noch enorm. „Wir haben den Kosten-Nutzen-Faktor einmal durchgerechnet. Die Preise müssen sich mindestens halbieren.“

Und dennoch wächst die Nachfrage an E-Fahrzeugen täglich, die Produktion lahmt. Was also, wenn ich mir morgen ein E-Auto zulegen möchte? Ein Aspekt bei der Auswahl eines Fahrzeugs ist nicht nur die Technik oder der Preis, sondern vielfach auch die aktuelle Lieferzeit. Diese kann für ein E-Mobil durchaus zwischen 10 und 12 Monaten betragen. Linke entgegnet: „Das ist kein Problem. Denn: Das wäre der Mittelständler der Vergangenheit, der nie plant. Unsere Bäcker beschäftigen sich mit der Thematik und planen schon für die nächsten 6 -7 Jahre.“

Das Auto selbst muss der Anreiz sein

Ein Ergebnis des E-Auto-Praxistests fiel ganz besonders auf: „Alle Bäcker haben das Auto an der Haushaltssteckdose im Betrieb geladen“, so Linke. Keiner der Mitglieder hätte die öffentlichen Ladesäulen genutzt, weil es diese schlichtweg noch nicht ausreichend und flächendeckend gebe. „Die Infrastruktur ist noch längst nicht soweit, um vom Benziner zum Stromer zu wechseln“, betont der geschäftsführende Vorstand der BÄKO Ost eG. Und selbst dort, wo es bereits Ladesäulen gebe, herrsche ein Durcheinander von Tarifen und Anbietern.

Ein deutlicher Appell also an die Politik, hier nachzubessern. Klar wird: Es braucht nicht nur staatliche Kaufanreize, um die Stromer beliebter zu machen. Das E-Auto selbst muss der Anreiz sein – und eine funktionierende Ladeinfrastruktur.

Informationen seien insgesamt im Übermaß vorhanden. „Jeder weiß etwas und viele Bundesländer und Regionen haben eigene Programme. Allerdings sind diese häufig nicht aufeinander abgestimmt. Hier brauchen wir eine Zentralisierung.“, beklagt Linke. Und zwar eine, die langfristig funktioniere. Die Wirtschaft brauche eines, und das sei Planbarkeit.

Und trotzdem: Wichtig sei, das Thema Klimaschutz und speziell die E-Mobilität aufzugreifen und dies politisch zu unterstützen. „Und genau das fördert der MITTELSTANDSVERBUND. Ohne dessen Hilfe hätten wir unsere Mitglieder nicht so nachhaltig an die Thematik heranführen können. An dieser Stelle möchte ich noch einmal einen großen Dank für die unkomplizierte und produktive Zusammenarbeit aussprechen. Trotz der anfänglichen Herausforderung, den Praxistest regional zu koordinieren, konnten wir letztlich viele unserer Mitglieder einbeziehen. Probieren geht über Studieren. Und selbst wenn wir bei dem E-Auto-Praxistest zu dem Fazit gekommen wären: „E-Mobilität funktioniert bei uns nicht“, wäre dies zumindest ein Ergebnis und eine Erfahrung gewesen, die wir sonst nie gewonnen hätten.“, so Linke. Ihm sei wichtig gewesen, den Betrieben einmal die Chance zum Ausprobieren zu geben.

Schönstes Ergebnis des Selbstversuchs: Für fast alle E-Auto-Neulinge kommt nach dem Praxistest die Anschaffung eines Stromers in Frage.

Wer übernimmt einmal den Betrieb? Nachfolge gesucht

Doch im Hintergrund der Diskussion über Reichweite, Ladedauer und Infrastruktur drückt der Schuh an einer ganz anderen Stelle. Der Berufsstand hat ein Problem, denn: Es gibt zu wenige Fachkräfte und auch die Nachfolge ist nicht immer gesichert. Betriebe etwa, die ältere Inhaber hätten, würden nicht mehr in eine Technik investieren, die sie 15 Jahre lang abschreiben müssten, berichtet Linke ernüchtert und hat auch ein Praxisbeispiel parat:

„Mit dem Junior habe ich das jetzt drei Jahre lang diskutiert und seit fünf Jahren bringe ich ihn schon dorthin – und jetzt will er nicht. Also muss ich verkaufen.“, klagte kürzlich einer der Bäcker sein Leid. Hier mische sich die Freude auf den wohlverdienten Ruhestand oftmals mit Wehmut und Sorgenfalten über die Zukunft des Lebenswerkes. Ein Verkauf schmerzt nicht nur, er birgt darüber hinaus auch Ungewissheit über künftige Klimaschutz-Ambitionen des Nachfolgers. „60 Prozent unserer Betriebe werden von Inhabern geführt, die 55 Jahre oder älter sind. Das ist ein Thema, welches das Handwerk generell betrifft und die Bäcker im Besonderen. Daran wird sich natürlich auch der Erfolg dieser Projekte messen. Ein 60-Jähriger investiert nicht in CO2-Einsparungen. Dessen CO2-Einsparungen sind im Zweifel die, indem er die Backstube zuschließt, weil er keinen Nachfolger findet.“, so Linke weiter. Hier positioniert sich die BÄKO Ost eG auch zukünftig und appelliert: Wir liefern nicht nur Ware, sondern stehen auch mit betriebswirtschaftlicher und strategischer Beratung bis hin zur Nachfolgeregelung für unsere Mitglieder bereit.

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