Politischer Hoffnungsträger Elektromobilität alltagstauglich?

Die Politik misst der Elektromobilität für den Klimaschutz hohe Bedeutung zu. Besonderes Augenmerk legt sie derzeit auf die Batteriezellenproduktion. Auch eine höhere Prämie beim Kauf von Elektro-Lieferfahrzeugen ist im Gespräch. Aber sind Subventionen für Fahrzeuge wirklich das geeignete Mittel, um den Klimaschutz zu fördern?

Berlin, 11.04.2018 – Um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen, muss der Ausstoß von Kohlendioxid weiter reduziert werden. Neben dem Energiesektor kommt dem Verkehr hierbei eine entscheidende Rolle zu. Der Ausbau der Elektromobilität gilt hierbei als vielversprechende Maßnahme, um Schadstoffemissionen zu senken.

Sind Subventionen für Fahrzeuge wirklich das geeignete Mittel, um den Klimaschutz zu fördern?Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag dafür ausgesprochen, in Deutschland die bestehende „Förderkulisse, wo erforderlich“ für die Elektromobilität aufzustocken und zu ergänzen. Außerdem sollen bis 2020 mindestens 100.000 Ladepunkte zusätzlich für Elektrofahrzeuge zugänglich gemacht werden.

In der politischen Diskussion richtet sich das Augenmerk derzeit vor allem auf die Batteriezellenproduktion. So kündigte Bundeswirtschaftsminister Altmaier (CDU) Gespräche über eine gemeinsame Initiative mit der Industrie an. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) ging noch einen Schritt weiter und forderte die Batterieproduktion in Deutschland von hohen Stromkosten zu entlasten. Künftig sollen Batteriezellenhersteller, so Weils Vorschlag, von der Umlage des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (EEG) befreit werden, wie es in einigen energieintensiven Bereichen bereits der Fall ist.

Kosten fallen an anderer Stelle an

Ein Blick auf die Kosten der Batterieproduktion lässt an Weils Vorstoß zweifeln. Spielen doch die Energiekosten gegenüber den Kosten für die erforderlichen seltenen Rohstoffe wie Lithium und Kobalt eine untergeordnete Rolle. Den Vorsprung der asiatischen Betreiber bei der Batterieproduktion könnten Europäer auf diesem Wege nicht aufholen.

Investitionen in Forschung und Entwicklung sinnvoller

Darüber hinaus weckt Weils Vorstoß ungute Erinnerung an den Versuch, die deutsche Solarbranche mittels teurer Subventionen am Leben zu erhalten. Die Maßnahmen erwiesen sich durchweg als ineffizient: Die deutschen Produzenten konnten sich im globalen Wettbewerb nicht durchsetzen. Schwerpunkte der Förderung müssen deshalb Forschung und Entwicklung sein. Auf optimierte Herstellungsprozesse und neue Produkte und Anwendungsverfahren wird hierbei zu fokussieren sein.

Bundesumweltministerium plant Prämie für den Kauf von Elektro-Lieferfahrzeugen

Die Förderung von Elektroautos soll aber noch an anderer Stelle erfolgen. So plant Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) eine Ausweitung der Förderung beim Kauf von Elektrolieferfahrzeugen. Möglicherweise kann eine solche Maßnahme den Anreiz für E-Autohersteller erhöhen, noch stärker als bisher Fahrzeugtypen zu entwickeln, die den Erfordernissen des Lieferverkehrs entsprechen. Denn dieses Angebotsdefizit wird als Kritikpunkt neben geringer Reichweite und den langen Lagezeiten von potentiellen Anwendern immer wieder genannt.

Politik sollte den Mittelstand in Pilotprojekte miteinbeziehen

DER MITTELSTANDSVERBUND begrüßt alle Formen von Pilotansätzen und Projekten, die es in Frage kommenden Anwendern erlauben, neue Mobilitätsmöglichkeiten zu testen. In dem vom Bundesumweltministerium geförderten Projekt „Klimaprofi für den Mittelstand“ führt DER MITTELSTANDSVERBUND seit 2017 selbst einen Praxistest mit E-Fahrzeugen in Pilotbranchen durch.

Die Testergebnisse der Initiative sollen wesentliche Erkenntnisse zur Praxistauglichkeit dieser Mobilitätsalternative, gerade für den Mittelstand als maßgeblicher Triebfeder der deutschen Wirtschaft, liefern. Aktuell können sich Bäcker, Fleischer, Automobilwerkstätten und Apotheken über das Projekt für jeweils eine Woche kostenlos ein Elektrofahrzeug ausleihen und im eigenen Betrieb testen.

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