Projekt E-Auto-Praxistest: BÄKO Schleswig-Holstein eG macht den Selbstversuch

Der E-Auto-Praxistest des MITTELSTANDSVERBUNDES geht in die nächste heiße Phase – auf der Hausmesse der BÄKO Schleswig-Holstein eG in Kropp am 09. und 10. Juni verstärkte der Spitzenverband nicht nur die Zusammenarbeit mit der BÄKO Schleswig-Holstein eG in Sachen Klimaschutz, sondern gab auch den Startschuss für einen gemeinsamen E-Auto-Praxistest.

Kropp, 18.07.2018 – „BÄKO Schleswig-Holstein eG in Kropp: alles für Bäcker und Konditoren“, lautet der Slogan der Bäcker- und Konditorengenossenschaft. Und in der Tat: Die Verbundgruppe, zugleich ein Mitglied des MITTELSTANDSVERBUNDES, beliefert Bäcker und Konditoren mit Rohstoffen wie Mehl, Hefe, Fett, Saaten, Frischdienstprodukten, Handelswaren und kümmert sich auch um die Beschaffung von Maschinen, Heizstoffen und sogar Strom – also um alles, was ein Bäckermeister zur Produktion frischer und qualitativ hochwertiger Backwaren braucht.

Matthias Retzlaff, Geschäftsführender Vorstand der BÄKO Schleswig-Holstein eG mit Ernst Panse, Leiter Klima & Energie, DER MITTELSTANDSVERBUND.Und noch viel mehr, denn: Gemeinsam mit dem MITTELSTANDSVERBUND verstärkt die BÄKO Schleswig-Holstein eG nicht nur ihr Engagement in Sachen Klimaschutz, sondern gab auf der Hausmesse in Kropp am 09. und 10. Juni auch den offiziellen Startschuss für einen gemeinsamen E-Auto-Praxistest im Rahmen des vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative geförderten Projektes „Klimaprofi für den Mittelstand“.

Klimaprofis unter Strom – Aufladen statt tanken

Hintergrund des E-Auto-Praxistests: Seit November 2017 können Bäcker, Apotheker, Friseure, Fleischer und Autowerkstätten zusätzlich zur Klimaschutzberatung im Rahmen des Projektes „Klimaprofi für den Mittelstand“ kostenlos ein E-Fahrzeug für jeweils eine Woche im Arbeitsalltag ausgiebig testen. Aufladen statt tanken lautet die Devise, denn: Elektrofahrzeuge sind ein wesentlicher Bestandteil der Energiewende.

Von den Testergebnissen erhofft sich DER MITTELSTANDSVERBUND wesentliche Erkenntnisse zur Praxistauglichkeit von Elektrofahrzeugen und insbesondere auch Offenheit gegenüber dem Thema E-Mobilität.

Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Dr. Ludwig Veltmann, ruft zur Beteiligung an dem Pilotvorhaben auf. „Klimaschonende Maßnahmen sichern nicht nur die eigene Zukunft Ihres Unternehmens. Sie helfen auch ein Stück weit, unsere Städte lebenswert zu halten und dort die Umwelt zu schützen. Nutzen Sie jetzt die Chance und haben Sie in Sachen E-Mobilität die Nase vorn.“.

DER MITTELSTANDSVERBUND hat Anfang des Jahres 2016 das Förderprojekt „Klimaprofi für den Mittelstand“ ins Leben gerufen, um Unternehmen klimafit zu machen. Das vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative geförderte Projekt richtet sich an die Branchen: Bäcker, Fleischer, Friseure, Apotheken und Kfz-Betriebe. Bis zum Jahr 2019 sollen so insgesamt mindestens 8.200 Tonnen CO2 durch entsprechende ressourcenschonende Maßnahmen eingespart werden.

Kälteanlagen sind wahre Energiefresser

„Im Rahmen des E-Auto-Praxistests bin ich zum ersten Mal mit einem Elektroauto gefahren und fand dieses Erlebnis unglaublich spannend. Für mich persönlich ist das eine ernstzunehmende Alternative für eine umweltschonende Fortbewegung.“, so Matthias Retzlaff.Wer nun denkt, die BÄKO Schleswig-Holstein eG brennt nur für Trend-Themen wie die E-Mobilität, der irrt, denn: Das Thema Nachhaltigkeit hat sich Geschäftsführer Matthias Retzlaff schon vor einiger Zeit auf die Fahne geschrieben. „Wir sparen Strom, wo wir können und haben vor zwei Jahren ein Energiemanagement-Projekt umgesetzt.“, berichtet Retzlaff. Hierbei seien Anlagen, die zum Teil erst sechs Jahre alt waren, mit neuen drehzahlgesteuerten Motoren nachgerüstet worden. Und: „Auch das Thema Solarenergie steht bei uns oben auf der Agenda – daher haben wir eine Photovoltaikanlage bei uns installiert.“, so Retzlaff. Beim Einsatz von Ressourcen und im Energiemanagement packt die die BÄKO Schleswig-Holstein eG also schon kräftig an.

Die größten Einsparpotenziale im Bestand sieht Retzlaff allerdings bei Kälteanlagen. Diese seien enorme Energiefresser. „Variabilität“ laute hier das Stichwort, denn mithilfe flexibler Kältetechnik ließe sich eine große Menge an Energie einsparen.

Vom Fahrgefühl eines E-Fahrzeugs überrascht

„Im Rahmen des E-Auto-Praxistests bin ich zum ersten Mal mit einem Elektroauto gefahren und fand dieses Erlebnis unglaublich spannend. Für mich persönlich ist das eine ernstzunehmende Alternative für eine umweltschonende Fortbewegung.“, so Retzlaff begeistert. „Ich bin auf die Rückmeldungen unserer Backbetriebe gespannt.“

Insbesondere das tolle Fahrgefühl eines Elektroautos habe den Geschäftsführer überrascht – jedoch sei die derzeit noch geringe Reichweite für das Tagesgeschäft ein absoluter Minuspunkt. Und so hoffe er, dass die Fortschritte gerade in Sachen Batterieleistung zügiger vorangehen, um die Fahrzeuge auch alltagstauglich nutzen zu können.

Denn vor allem in der Bäckerbranche sei der Einsatz der E-Flitzer besonders gut geeignet. Viele mittelständische Betriebe belieferten ihre Bäckereifilialen, die meist nur kurze Entfernungen zur Produktionsstätte aufweisen. Fahrtwege von maximal 150 Kilometern stünden auf der Tagesordnung. „Für unseren Kundenservice im Außendienst eignet sich ein E-Mobil derzeit allerdings weniger, da die Reichweite bei etwa 400 Kilometer liegen müsste. Und Zwischenstopps sind nicht drin. Wir können die Kunden ja nicht warten lassen.“, mahnt Retzlaff.

Aber braucht so ein E-Auto nicht auch eine eingebaute Kühlung? Retzlaff meint: Nein, denn: Das Thema Kühltechnik innerhalb des E-Fahrzeugs sei für seine Bäckereien im Vergleich zur Fleischerbranche kein Muss – hier gebe es schließlich genug Alternativen wie etwa Kühlboxen, um den Lebensmittel- und Hygienevorschriften gerecht zu werden. „So eine elektrische Kühlung im Fahrzeug ist außerdem teuer, schwer, nimmt Platz für die Transportwaren und vor allem frisst sie Energie.“

Sorgenkind Reichweite

Derzeit gebe es sogar Pläne über die Anschaffung von Hybridfahrzeugen, um zumindest bei der morgendlichen Liefertour an die Verkaufsstellen eine Entlastung für die Umwelt zu schaffen.

Auch für den privaten Gebrauch denkt Retzlaff über den Erwerb eines Hybridwagens nach – allerdings auch hier wieder das Sorgenkind: die geringe Reichweite. Dabei hat die BÄKO Schleswig-Holstein eG die besten Voraussetzungen für einen eigenen E-Fuhrpark. „Wir würden sogar eine eigene Ladesäule installieren lassen und hätten vor Ort auch die entsprechende Infrastruktur dafür. Aber die Akkuleistung stimmt einfach noch nicht. Die Technik ist der Engpass im Moment.“ Überdies sei die zu schaffende Ladeinfrastruktur für den öffentlichen Raum mit einem immensen finanziellen Aufwand verbunden. Klare Worte in Richtung Politik also, die sich noch stärker in Sachen Forschung und Weiterentwicklung der Batterie-Lauf- und Ladezeiten sowie urbanen Lademöglichkeiten einbringen müsse.

Sind E-Autos eigentlich „grüner“?

Doch einmal weg von der Reichweitenangst: Sind die elektrischen Flitzer wirklich „grüner“? Retzlaff ist skeptisch. Die Beschaffung und Entsorgung der Batterien bewertet der Geschäftsführer als kritisch, denn: Elektroautos fahren zwar ohne direkten Schadstoffausstoß, die Elektromobilität sei daher also „grün“ in ihrer unmittelbaren Umgebung. Doch für die Herstellung der Batterien würden sogenannte Seltene Erden benötigt – Metalle, die nur äußerst rar vorhanden seien und sich nur schwer-, sowie unter großem Energieaufwand beschaffen und verarbeiten ließen.

Als Übergangslösung sei die E-Mobilität aber dennoch gut geeignet. „Ich hoffe, dass unsere Mitglieder die E-Autos während des Praxistests auch wirklich einsetzen und dadurch einen Imagegewinn erfahren. Vor allem soll der Praxistest auch in Sachen Kosteneinsparung sensibilisieren.“ Ein Stromer sei gerade bezüglich Wartungs- und Instandhaltungskosten deutlich günstiger.

Ein unterschätztes und großes Potenzial sieht der Geschäftsführer aber in der Wasserstofftechnologie: „Für mich ist das der effizienteste Antrieb – insbesondere in Sachen Erzeugung, Infrastruktur und Verbrauch.“, so Retzlaff überzeugt.

Doch ob nun Stromer oder Brennstoffzellenauto – der Diskurs um alternative Antriebe zeigt in jedem Falle eines: Das Bewusstsein und das „grüne Gewissen“ für einen behutsamen Umgang mit der Umwelt steigt. Und das ist in Zeiten von Klimaschutz-Gegnern wie Donald Trump und auf dem Weg zu den Klimaschutzzielen für 2050 ein nicht zu unterschätzender Wert.

Aus diesem Grund ruft Retzlaff die Backbetriebe der BÄKO Schleswig-Holstein eG auf: „Nutzen Sie die Möglichkeit zum kostenlosen E-Fahrzeug-Test und machen Sie sich selber ein Bild der alternativen Ausliefermöglichkeit.“

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